Transformation sorgt für Diskussion

STUTTGART. Transformation hat nichts mit Transformatoren zu tun. Die von mir zum Abschluss des 19. Internationalen Stuttgarter Symposiums moderierte Podiumsdiskussion zeigte allerdings: Die Anspannung, die derzeit in der Automobilindustrie herrscht, hat durchaus mit verschiedenen Spannungslagen zu tun.

So plädierte Bosch-Geschäftsführer Mathias Pillin dafür, einfach mal zu machen und nicht nur Argumente zu suchen, warum Elektromobilität nicht funktionieren kann. Batterieelektrische Fahrzeuge seien zwar nicht alleinseeligmachend, aber unabdingbar auf dem Weg in eine klimaneutrale Mobilität. Der Zulieferer mache zudem gute Erfahrungen damit, Ingenieure, die bislang an Dieselmotoren gearbeitet haben, in das neue Geschäftsfeld Elektromobilität zu integrieren. Die bislang vorliegenden Aufträge sollen bis zum Jahr 2025 für einen Umsatz von mehr als fünf Milliarden Euro sorgen.

Völlig überraschend kam der flammende Appell für den Plug-in-Hybrid von Günther Schuh, Produktionsexperte an der renommierten RWTH Aachen, der mit e.Go selbst einen Hersteller von Elektroautos gegründet hat. Die Batteriekosten seien nicht deutlich zu senken und die Energiedichte nicht zu steigern – die Zukunft gehöre daher der Kombination von Verbrenner und Elektroantrieb. „Totalen Schwachsinn“ nannte er jede einseitige Bevorzugung des Elektroautos.  Die Weiterentwicklung von Verbrennungsmotoren hätten doch nur jene Firmen eingestellt, „die es auch schon vorher nicht richtig konnten.“

Gerald Killmann wiederum, der die komplette Fahrzeugentwicklung im europäischen Zentrum von Toyota verantwortet, zeigte sich verwundert über die deutsche Debatte. In Japan schaue man darauf mit Unverständnis, Deutschland verliere seine Glaubwürdigkeit. Toyota, so der aus Österreich stammende Manager, arbeite weiter am Verbrennungsmotor, am Hybridantrieb, an der Brennstoffzelle und an batterieelektrischen Antrieben. Denn es gelte, Mobilität für alle Menschen auch in Zukunft zu ermöglichen.

Nicht zu beneiden war Nicole Hoffmeister-Kraut, die Wirtschaftsministerin des Autolandes Baden-Württemberg. Sie versucht nach Kräften, mit den Autofirmen, den Zuliefern und den Arbeitnehmervertretern eine gemeinsame Strategie zu erarbeiten, mit den die „besten Autos der Welt“ auch im Jahr 2030 aus dem „Ländle“ kommen. Dazu, so die Ministerin, sei es auch wichtig, sich ausreichend Kompetenz in Bereich der Batteriezelle zu erarbeiten – mindestens durch intensive Forschung, besser aber noch durch eine Pilotfabrik, in der neueste Technologien in der Praxis erprobt werden.

Mit nüchtern-analytischem Blick schaut Christoph Stürmer von PWC auf die Entwicklung. Die eigentliche Transformation sieht er gar nicht in dem Technologiewandel, bei dem elektrische Antriebe allmählich den Verbrennungsmotor substituieren könnten. Die Digitalisierung und die damit einhergehenden neuen Geschäftsmodelle wie Car- und Ridesharing seien die eigentliche Herausforderung für die Autohersteller.

Einigkeit herrschte unter den Teilnehmern nur in einem Punkt: Es braucht ein neues Leitbild für die Mobilität der Zukunft. win

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