Mal eben die Welt retten

WOLFSBURG. Unternehmen, die nicht in der Absicht betrieben werden, Gewinn zu erzielen, können die Welt retten – viel effizienter als jede Wohltätigkeitsorganisation oder Interventionen der Regierung. Das ist die wesentliche Botschaft von Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der heute den 9. Social Business Summit in Wolfsburg eröffnete. Vor 800 Teilnehmern aus aller Welt warnte er: Noch zur Lebenszeit seines nunmehr dreijährigen Enkels werde die Welt zugrunde gehen, falls die soziale Ungleichheit weiter zunehme. Ein Prozent der Weltbevölkerung besitze heute den Großteil des Vermögens. „Und es wird jeden Tag schlimmer“, so Yunus. Die heutige Art des profitorientierten Wirtschaftens gehe zudem mit einem Ressourcenverbrauch einher, der direkt in die ökologische Katastrophe führt. Überraschend ist nicht die Diagnose des Nobelpreisträgers, sondern die von ihm vorgeschlagene Therapie: Nicht Sozialismus, sondern Unternehmertum.

IMG_7582Die Idee des von Yunus geprägten Social Business besteht darin, Unternehmen zu gründen, die ein selbst gewähltes Menschheitsproblem lösen – etwa in der Trinkwasserversorgung, der Mobilität armer Menschen oder der Müllvermeidung. In der neuen Zivilisation, von der Yunus träumt, arbeitet niemand mehr, um einen sicheren Job bei einem Konzern zu haben. Die Gewinne, die Social Business-Betriebe erzielen, werden zudem entweder in das eigene Wachstum oder in neue Projekte gesteckt, dienen aber nicht der Bereicherung der Eigentümer. „So geht das Geld nie verloren“, erläuterte Yunus in einem Interview, das ich für das Magazin der Autostadt führte. Möglich sei das, weil der Mensch neben der egoistischen Seite, die die Ökonomie seit Adam Smith predigt, auch eine selbstlose Seite habe.

Gastgeber der weltweit bedeutendste Social Business-Konferenz war neben der Autostadt die Volkswagen AG. Deren Personalvorstand Gunnar Kilian hielt sich noch bedeckt, kündigte aber an, dass er nach einem Gespräch mit Yunus bereits erste Ideen habe, wie man sich künftig engagieren wolle. Die Nutzfahrzeugtochter MAN ist das bereits einen Schritt weiter: Gemeinsam mit einer Stiftung, die sich auf den Nobelpreisträger beruft, begleiten die Münchner derzeit auch Social Business-Gründer auf dem Weg in den unternehmerischen Erfolg.

Die Zusammenarbeit mit großen Konzernen scheut Yunus nicht, er zählt die CEOs von Danone und McCain genauso zu seinen Unterstützern wie BMW-Vorstand Peter Schwarzenbauer, der ebenfalls in Wolfsburg auftrat. Der wetterte gegen den Trend zur Selbstoptimierung und sagte voraus, dass Großunternehmen nicht überleben werden, wenn sie sich nicht in den Dienst der Gesellschaft stellen. „Ich bin es leid, Ausreden zu hören“, so der Topmanager, der unter anderem für Rolls-Royce verantwortlich ist. „Wir alle können etwas verändern.“ Schwarzenbauer hat privat eine Initiative gegründet, die – wie er lächelnd behauptet, nichts mit politischen Kampagnen zu tun hätte. Ihr Name: „Make the world great again.“

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