E wie Emotion

BERLIN. Mehr Menschen denn je schwammen am vergangenen Samstag in der Hauptstadt auf einer Woge des Gefühls: Während die einen „E wie Eintracht“ assoziierten und den unerwarteten 3:1-Sieg von Eintracht Frankfurt im Spiel gegen Bayern München feierten, dachten andere an „E wie Elektrisch“. Denn das neunte Formel E-Rennen der Saison nahm ebenfalls am Samstag in der Bundeshauptstadt auf dem ehemaligen Flughafengelände Tempelhof seinen Lauf.

Formel E Safety Car Driver

Safety-Car-Fahrer Bruno Correira im Gespräch mit delta eta-Redakteurin Angelina Hofacker

Das Team Audi/ABT fuhr beispielsweise bis zur dritten Saison mit einem Single-Elektromotor und Dreigang-Getriebe. Seit der diesjährigen Saison gibt es für Lucas Di Grassi und seinen Kollegen Daniel Abt nur noch einen Gang im e-tron-FE01-Rennwagen. Di Grassi, den ich vor dem Rennen traf, ist seit Anfang an dabei und kommt – wie viele seiner Formel-E-Kollegen – ursprünglich aus der Formel 1. Ihm zufolge ist der Fahrer in der Formel E wichtiger als im konventionellen Motorsport. Der Unterschied zwischen dem Besten und dem Schlechtesten betrage oft nur fünf Sekunden. Im vergangenen Jahr hatte sich der brasilianische Rennfahrer kurz vor dem Rennen in Berlin den Fuß gebrochen, beim Fußball. Er verheimlichte seine Verletzung, trat trotzdem an und errang den Sieg.

Die Formel E ist mittlerweile ein Testlabor für die Industrie. So schickt Audi seit Saisonbeginn sein eigenes Werksteam an den Start. Andere Hersteller werden bald folgen: in der fünften Saison BMW und Nissan, ein Jahr später Porsche und Mercedes. Michelin nutzt die Formel E längst als Labor für die Entwicklung neuer Allwetterreifen nutzen. DHL nutzte das Rennen in Berlin für eine Produktvorstellung besonderer Art: Der sogenannte Effibot, ein kleines automatisiertes Elektrofahrzeug, belieferte die Besucher mit Äpfeln und erfreute durch Kugelaugen und eine rundliche Form. Waren die Beine einmal gescannt, folgte das kleine Transportfahrzeug seinem Führer oder seiner Führerin wie ein gut erzogener Hund. Die deutlich kantigere und nüchterne Version des Effibots – mit einer Trag- sowie Zugkraft von jeweils bis zu 300 Kilogramm – habe kein Problem mit Richtungswechseln und fahre auf Wunsch auch voran, berichteten die DHL-Mitarbeiter vor Ort. In der Fabrik könnte er den Arbeitern bald ein treuer Begleiter werden. So hinterließen nicht nur die Elektrorenner einen sympathischen Eindruck. hof

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