Teil der Lösung

BADEN-BADEN. Ein Automobilzulieferer macht ernst: Künftig will Schaeffler nicht nur Systemanbieter bei Elektro- und Hybridantrieben sein, sondern die technische Basis für autonome Stadtfahrzeuge, sogenannte „People Mover“, liefern. Für diese neue Fahrzeugkategorie hat das Unternehmen auf einem Kolloquium in der vergangenen Woche einen integriertes Antriebs- und Fahrwerksystem vorgestellt. Technologie-Vorstand Peter Gutzmer begründete den für einen Zulieferer ungewöhnlichen Schritt damit, dass der Bedarf nach individueller Mobilität in den stark wachsenden Metropolen der Welt an Grenzen stoße. „Selbst wenn mehrstöckige Straßen geschaffen werden“, so Gutzmer, „füllen sich diese bald. Wenn sich Fahrzeuge mit zwei bis drei km/h bewegen, dann ist jede Effizienz verloren.“ Die autogerechte Stadt, so Gutzmer, werde es auch in Zukunft nicht geben. Konventionellen Fahrzeuge würden tendenziell immer größer, damit vergrößere sich das „Abstellproblem“. Selten hat ein CTO eines Milliardenzulieferers die Herausforderungen so drastisch benannt.

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Schaeffler-CTO Peter Gutzmer mit autonomen Stadtfahrzeug

Den Trend zu alternativen Mobilitätsformen beantwortet Schaeffler mit mehreren Weltpremieren. Im Rampenlicht steht dabei der „Schaeffler Mover“, ein vollständig autonomes und elektrisches Shuttle-Fahrzeug. Die technische Basis, das Chassis mit integriertem Antrieb, stellte Schaeffler nun erstmals vor. Es basiert auf vier Rad-Fahrwerkmodulen, die einen Randnabenantrieb, einen Aktor für die Lenkung und die Radaufhängung umfassen. Da bei einem solchen Konzept keine mechanische Welle zwischen Antrieb und Rad mehr benötigt wird, beträgt der maximale Lenkwinkel 90 Grad – sprich: Das Fahrzeug kann seitlich an Haltestellen heranfahren und besitzt einen Wendekreis von nur etwa fünf Meter. Die Querstabilisierung wird ausschließlich über die elektronische Regelung vorgenommen. Da sich jeder Radmotor einzeln ansteuern lässt, sollen Querkräfte völlig eliminiert werden, damit die Passagiere in Ruhe Zeitung lesen oder, weitaus wahrscheinlicher, auf ihrem Smartphone arbeiten können.

Der Mover war aber nicht die einzige Innovation auf dem Kolloquium. Ebenso interessant: Der bereits im vergangenen Jahr vorgestellte Bio-Hybrid, ein dreirädriges Pedelac mit Dach, steht nun auch in einer Cargovariante für den urbanen Lieferverkehr zur Verfügung. Vorerst nur als Studie, aber Schaeffler will den Bio-Hybrid mit einer eigens gegründeten Tochtergesellschaft nun auch kommerzialisieren.

Auch der klassische Pkw muss sich verändern, so Uwe Wagner, der bei Schaeffler Forschung und Entwicklung für das Automobilgeschäft verantwortet und die Klimaziele von Paris ernst nimmt. Dem unternehmenseigenen Szenario zufolge wären zwei Drittel des Fahrzeugbestands bis zum Jahr 2050 elektrifiziert wären. Dem entsprechend stellte der Zulieferer erstmals seinen Baukasten für E-Antrieb vor. Schon heute sind Hybridmodule und elektrische Achsantrieb im Programm, spätestens 2021 sollen diese Systeme auch mit selbst produzierten Elektromotoren verfügbar sein.

delta eta ist in diesem Fall nicht neutral: Wir sind stolz darauf, für einen vorwärtsdenkenden Zulieferer den Tagungsband zum 11. Internationalen Schaeffler Kolloquium verfasst zu haben. Der komplette Band ist abzurufen unter: Tagungsband Schaeffler-Kolloquium 2018. win

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