Sommerlektüre für Nerds

TORUP STRAND. Roboter, die von italienischen Wissenschaftlern in die Schule geschickt werden, um dessen kognitive Fähigkeiten zu verbessern. Neuromorphe Chips, die mit analogen Schaltkreisen die Strukturen unseres Gehirns nachbilden und ein extrem günstiges Verhältnis zwischen Rechenleistung und Energieverbrauch haben. Diese und viele weitere Beispiele trägt der Wissenschaftsjournalist Ulrich Eberl in seinem neuen Buch „Smarte Maschinen“ zusammen, das zeigt, wie rapide der Fortschritt im vermutlich wichtigsten Techniksektor ist.

Smarte Maschinen_Buchansicht-VorderseiteDer Untertitel „Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert“ verspricht nicht zu viel. Anders nämlich als in vielen Werken, die eher auf technikphilosophischen Überlegungen beruhen, recherchiert Eberl zunächst die Fakten: Was können Roboter heute? (Ziemlich wenig, verglichen mit uns Menschen, wie man schon in der Einleitung vorgeführt bekommt.) Und was werden Maschinen morgen können? (Deutlich mehr, aber für eine den Menschen überflügelnde „Superintelligenz“ spricht wenig.) Dabei verpackt Eberl seine Beobachtungen, die auf Vor-Ort-Recherchen in den USA, in Japan und in Europa basieren, in eine anschauliche, dem Laien gerecht werdende Sprache. Eine fiktive Rahmenhandlung, die sich im Jahr 2050 vollzieht, verbindet die Kapitel miteinander.

Erst aus Anschauung und Wissen heraus entsteht Urteilskraft, schon deshalb lohnt die Lektüre dieses Buches. Darüber hinaus lässt Eberl seine Leser aber auch an seinen eigenen Gedanken und Bewertungen teilhaben. Dabei blendet er die Gefahren, die etwa durch die kriminelle Manipulation von Robotern ausgehen können, genauso wenig aus wie die Herausforderung für den Arbeitsmarkt, die die Übernahme einfacher Tätigkeiten durch Heerscharen billiger Maschinen bedeuten. Insgesamt, alles andere wäre bei Eberl nicht zu erwarten, sieht er aber optimistisch in die Zukunft. „Wenn wir es richtig machen, so werden uns intelligente Maschinen mehr nützen als schaden.“

Für mich ist Eberls „Smarte Maschinen“ das Buch, das Nerds in diesem Sommer mit an den Strand nehmen sollten. Ob auf dem iPad oder ganz klassisch auf Papier: Man lernt auf jeden Fall dazu. Jetzt erst einmal schöne Ferien!