300 Millionen – Was damit tun?

CoFAT 2016FÜRSTENFELDBRUCK. Die Bundesregierung hat letzte Woche ein Investitionsprogramm angekündigt, das der Elektromobilität in Deutschland zum Durchbruch verhelfen soll. Neben den Kaufprämien für Elektrofahrzeuge sieht es 300 Millionen Euro für den Ausbau der Lade-Infrastruktur vor. Wie das Geld verwendet werden sollte, diskutierte ich gestern im Rahmen eines Panels auf der CoFAT (Conference on Future Automotive Technologies) – eine der wenigen Veranstaltung zum Thema Elektromobilität, die aufgrund ihrer starken technischen Ausrichtung nicht nur Meinung, sondern auch Wissen vermittelt.CoFAT 2016

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass der Betrieb von Ladesäulen derzeit kein attraktives Geschäftsmodell darstellt. Norbert Schürmann, Vorstand des zum RWE-Konzern gehörenden Energieversorgers Lechwerke, berichtete, dass derzeit pro Ladepunkt täglich nur 0,5 Ladevorgänge verzeichnet würden. Beim Ausbau der Lade-Infrastuktur solle man intensiv mit Unternehmen zusammenarbeiten, die heute schon Parkraum bewirtschaften. Allerdings seien größere Mengen Elektroautos nicht an das heutige Verteilnetz anzuschließen, wenn dieses nicht ertüchtigt würde. Die Investitionen über den Stromverkauf wieder hereinzuholen, sei eine Illusion, meinte Ex-Eon-Manager Klaus-Dieter Maubach, heute Vorstand der Capital Stage AG. Man solle vielmehr über eine Flatrate nachdenken und von vorne herein davon ausgehen, dass eine solche Infrastruktur sich genauso wenig rechne wie die „gelben Telefonhäuschen“, mit denen einst die flächendeckende Telekommunikation sichergestellt wurde. Noch einen Schritt weiter ging Thomas Hamacher, Professor für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der Technischen Universität München. Seiner Meinung nach berücksichtige die derzeitige Planung für die Lade-Infrastruktur nicht, dass sich das Mobilitätsverhalten künftig erheblich verändern werde. Wenn die Menschen sich eines Tages in autonomen Taxis durch Metropolen bewegten, verliere die überall verfügbare Lade-Infrastruktur an Bedeutung. Viel pragmatischer sah es Kim Wlach, die für das Start-up Eluminocity tätig ist: Da das Elektroauto vorrangig für das Pendeln zwischen Peripherie und Innenstadt diene, solle das Gleichstromladen beim Ausbau der Infrastruktur mindestens den gleichen Stellenwert haben wie die Schnellladesystem an Autobahnen. Der Bundesfinanzminister sieht das anders: 200 der 300 Millionen, so der aktuelle Planungstand, sollen für den Aufbau von rund 5.000 Gleichstrom-Schnellladepunkten genutzt werden. win (Fotos: Bayern innovativ/Matthias Merz)

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