Keine Luftschlösser

STUTTGART. Wenn Autofachleute über Leichtbau mit exotischem Materialmix und elektrifizierte Antriebe diskutieren, gerät vor Begeisterung über das technisch Machbare das Ziel manchmal aus den Augen. Letztlich geht es doch darum, die Effizienz zu steigern, also für möglichst wenig Geld den Verbrauch so weit als möglich abzusenken. Die Aerodynamik bietet dazu ein sehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Deutlich wurde dies bei der Neueröffnung des modernisierten Windkanals an der Universität Stuttgart, an der ich am Montag teilnehmen durfte. Daimler-Manager Stephan Wolfsried sagte in seinem Grußwort: „Oft kann man mit der Aerodynamik und etwas Hirnschmalz genauso viel erreichen wie mit innermotorischen Maßnahmen.“

Im neuen Windkanal, dessen operativer Betrieb vom Forschungsinstitut für Kraftfahrwesen und Fahrzeugmotoren Stuttgart (FKFS) gewährleistet wird, sind in der Vergangenheit aerodynamisch herausragende Fahrzeuge entstanden: Zum Beispiel der Opel Calibra, der bereits 1990 einen cW-Wert von 0,26 erreichte und damit für viele Jahre der Weltrekordhalter unter den Serienfahrzeugen war. Auch der aktuelle Weltmeister, der Mercedes-Benz CLA mit einem Widerstandsbeiwert von 0,22, ist im Stuttgarter Windkanal optimiert worden.

Um auch künftig Forschung und Entwicklung voranzutreiben, ist der Windkanal für einen zweistelligen Millionenbeitrag überarbeitet worden. Zahlreiche Verbesserungen dienen dazu, die Messungen noch exakter und realitätsnäher auszuführen. Weltweit einmalig ist eine Vorrichtung, die es ermöglicht, dynamische Windböen zu simulieren. Dafür wurden am Eingang der Messstrecke acht Karbon-Flügel montiert, die die Richtung des Luftstroms beeinflussen können (siehe Video). „Der Wind ist nun im Kanal so dynamisch wie in der Realität“, erläutert Prof. Dr. Jochen Wiedemann, im FKFS-Vorstand für den Windkanal verantwortlich. Mit den gewonnenen Messdaten kann der institutseigene Fahrsimulator gespeist werden, so dass die Simulation ebenfalls deutlich realistischer wird.

Unser Redaktionsbüro hat übrigens den kompletten Inhalt des von der Wortwerkstatt Tübingen konzipierten Magazins „research in motion“ erarbeitet. Das Magazin erschien anstelle einer klassischen Broschüre zur Eröffnung des Windkanals und zeigt Macher, Technik und Möglichkeiten.

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