Ratio und Emotio

FRANKFURT AM MAIN. Was ist der von den Automobilherstellern aufgrund gesetzlicher Vorgaben angegebene Normverbrauch in einer (teil-)elektrischen Zukunft noch wert? Selbsternannte sogenannte „Umwelthelfer“ werfen der Automobilindustrie vor, bei den Angaben zu schummeln – und offenbaren doch nur das eigene technische Unverständnis. Denn die Durchführung der von unabhängigen Prüfinstituten durchgeführten Zulassungstest ist durch EU-Normen genau geregelt. Sie sichern die Vergleichbarkeit verschiedener Fahrzeuge untereinander. Doch gerade bei den Plug-in-Hybridantrieben, deren Batterie an der Steckdose geladen werden kann, hängt der reale Verbrauch allein vom Verhalten des Fahrers ab.

Ganz schön viel Technik: Porsche Cayenne mit Plug-in-Hybridantrieb

Ganz schön viel Technik: Porsche Cayenne mit Plug-in-Hybridantrieb

Wie groß die Streuung in der Realität sein kann, bewies heute die Vorstellung des Porsche Cayenne S e-hybrid. Der Normverbrauch des zwei Tonnen schweren SUVs beträgt sensationelle 3,4 Liter auf 100 Kilometer. Auf der Teststrecke vom Frankfurter Flughafen in den malerischen Rheingau fuhren die Journalistenteams sehr unterschiedliche Werte heraus. Besonders effizient war Kollege Michael Kirchberger (frei, arbeitet wie ich unter anderem für die F.A.Z.) unterwegs, er unterbot mit einem Verbrauch von 1,6 Liter auf 100 Kilometer die offizielle Angabe um mehr als 50 Prozent. Respekt!

Ich war mit dem Kollegen Jürgen Zöllter unterwegs, der eher der Fraktion „Faszination Sport“ zuzurechnen ist. Und dennoch: der Ehrgeiz, emissionsarm und vorausschauend zu fahren, hatte uns nach wenigen Kilometern gepackt. Nur ausnahmsweise forderten wir die 406 PS Systemleistung, die theoretisch im Plug-in-Cayenne verfügbar sind. Mit 5,4 Litern fuhren wir einen unserer Meinung nach realistischen Verbrauch für Kurzstrecken heraus. Damit waren wir im Mittelfeld: Ein Kollegen-Duo schaffte es, 10,6 Liter auf 100 Kilometer zu verbrennen – wahrscheinlich waren die permanent im Sport-Plus-Modus unterwegs, in dem der Elektromotor nur zuschaltet, wenn besonders viel Leistung abgerufen wird.

Ein Verbrauch, der um den Faktor 6,6 schwankt? Das ist wahrscheinlich die Realität auf den Straßen der Zukunft. Schwindel, Betrug, rufen die Umwelthelfer. Warum eigentlich? Ist es in einem freien Land denn schlimm, wenn der Fahrer wählen kann zwischen Vernunft und Emotion? Ich finde: Nein!

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Ein Gedanke zu „Ratio und Emotio

  1. Zum Thema Normverbrauch: Gestern nachmittag war ich mit einem Audi A6 Avant 3,0 TDI, Baujahr 2012, von München nach Frankfurt unterwegs mit dem Ziel, möglichst wenig Kraftstoff zu verbrauchen. Mit vorausschauender Fahrweise und der Vermeidung unnötiger Beschleunigungen und Abbremsungen (was aufgrund des hohen Verkehrsaufkommens und der vielen Lkw nicht immer klappte) gelang es dennoch, für die rund 400 Kilometer Strecke auf einen Gesamtdurchschnitt von 4,8 Liter Dieselkraftstoff pro 100 Kilometer zu kommen. Ein Wert, der recht nahe an der Herstellerangabe nach NEFZ (außerorts 4,4 Liter pro 100 Kilometer) liegt. Die Fahrzeit betrug übrigens 4,5 Stunden, zwei kleinere Staus eingerechnet.

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