Robert-Mayer-Preis für delta eta

HEILBRONN. Die VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt hat mein Buch „Abgeschaltet – Was mit der Energiewende auf uns zukommt“ heute mit dem Robert-Mayer-Preis ausgezeichnet. Begründet wird die Ehrung damit, dass es mir gelinge „die Komponenten Technik – Wirtschaft – Politik mit ihren wechselseitigen Bedingtheiten als die Komponenten herauszuarbeiten, die unsere Energiewelt bestimmen“.

Preisverleihung durch den Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach und den Vorsitzenden der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt, Prof. Hermann-Josef Wagner

Preisverleihung durch den Heilbronner Oberbürgermeister Helmut Himmelsbach und den Vorsitzenden der VDI-Gesellschaft Energie und Umwelt, Prof. Hermann-Josef Wagner

Die Auszeichnung freut mich besonders, da sie von Experten vergeben wird, für die ich das Buch eigentlich gar nicht geschrieben habe. Vielmehr soll „Abgeschaltet“ gerade Menschen erreichen, die sich zwar für die Zukunft der Energie interessieren, sich jedoch mit den technischen Grundlagen aufgrund ihres Lebens- und Ausbildungsweges bislang nicht auseinandergesetzt haben.

Den Robert-Mayer-Preis trage ich auch deswegen gerne, weil sein Namensgeber, der Heilbronner Arzt Julius Robert Mayer Wegweisendes zur Geschichte der Physik beigetragen hat: Er formulierte 1842 dem ersten Hauptsatz der Physik, nachdem die Energie in einem geschlossenen System stets erhalten bleibt.

Genfer Frühling: delta eta bei automanager.tv

newsletter_amtv_01_14FRANKFURT/ GENF. Nach wie vor ist der am kommenden Sonntag zu Ende gehende Genfer Autosalon Taktgeber der Branche. Doch was waren dieses Jahr die wichtigsten Techniktrends? Und was die schönsten und wichtigsten Modellneuheiten? Und was hat das alles mit der Rocklänge der Hostessen zu tun? Antworten auf diese und andere Fragen finden Sie im Video vom Internationalen Pressefrühschoppen von automanager.tv, bei dem ich mit den sehr geschätzten Kollegen Guido Reinking und Matthias Pfannmüller diskutiere. Clicken Sie hier!

Wenn das Wörtchen „wenn“ nicht wär…

BERLIN. Knapp zwei Stunden Zeit habe ich für die erste Ausfahrt im Volkswagen e-Golf. Ausreichend Zeit also, um das Lieblingsauto der Deutschen in seiner Reinkarnation als Elektroauto in seiner natürlichen urbanen Umgebung zu testen. Die Frage, die ich mitnehme: Würde ich dieses Auto kaufen?

e-golf2

Ein ganz normales Auto, der e-Golf. Gott und Christophorus sei’s gedankt.

Startpunkt ist der ehemalige Flughafen Tempelhof, ehrwürdiges Monument einer Zeit, als Mobilität eine Sache der Reichen und Schönen war. Als Transkontinentalflüge genauso wie der Besitz eines Automobils signalisierten: Der hat’s geschafft. Der Golf, geboren ausgerechnet in der Zeit der ersten Ölkrise, ist seit jeher das Fanal einer neuen, demokratischen Welt, die da verheißt: Mobilität für jedermann.

Ich nehme Platz, freue mich über die hochwertige Ausstattung, die lediglich an einigen Details – etwa den blauen Nähten des Lenkrades – erkennen lässt, dass ich mich in einem besonderen Exemplar des massenhaft produzierten Golf befinde. Als erstes gilt mein Blick natürlich der Reichweitenanzeige. 161 Kilometer verheißt sie, völlige Sorglosigkeit also.

Und los geht’s. Schon auf den ersten Meter probiere ich mehrfach aus, ob die vielfach an Elektroautos gerühmte Drehmomentstärke zu spüren ist. Ist sie. Und zwar als Schlag ins Genick, wenn ich das Gaspedal voll durchtrete. Wow, so macht der Ampelstart Spaß. Es geht auch gemächlicher, aber beim Einfädeln, wenn mal wieder eine der vielen Berliner Baustellen auftaucht, bedeutet die Spurtstärke des e-Golf eine Sicherheitsreserve.

Schnell fällt mir auf, dass in normalen Fahrmodus das Auto nicht künstlich über die E-Maschine bremst, sobald ich das Gas wegnehme. Der mit rund anderthalb Tonnen recht schwere Golf nutzt seine Masse, um gefühlt unendlich weit auszurollen. Für den städtischen Stop-and-Go-Verkehr bedeutet dies: Einmal kurz aufs Gas, dann rollen lassen. Anders als beim BMW i3 mit dessen Einpedal-Fahrstrategie schreibt mir Volkswagen nicht vor, wie ich zu fahren habe – das finde ich als potenzieller Freiheitskämpfer äußerst sympathisch. (Und höhere Rekuperation kann man per Tastendruck aktivieren.)

Überhaupt muss man sich beim e-Golf eigentlich an nichts gewöhnen, es ist ein ganz praktikables Alltagsauto mit ausreichend Platz für vier Personen, zur Not auch fünf, sowie dem variablem Laderaum, der den Golf ohnehin auszeichnet. Allenfalls der Federungskomfort ist verbesserungsfähig, man spürt das hohe Gewicht des Autos bei jeder Unebenheit hart im Kreuz.

Die Mauer im Kopf muss weg - wirklich?

Die Mauer im Kopf muss weg – wirklich?

Meine Fahrt führt mich entlang der letzten Reste der Berliner Mauer, als eingefleischter Fan großvolumiger Sechs- und Achtzylinder ertappe ich mich bei dem Gedanken, ob ich nicht eine Mauer in meinem Kopf einreißen sollte. Das ist doch das perfekte Auto für die Stadt. Wenn, und das ist das erste „wenn“, ich tatsächlich nur urban unterwegs wäre. Letzten Freitag erst hetzte ich zu einem Interviewtermin mit einer Unternehmerin in der hessischen Provinz, ebenfalls mit einem Golf. Der ziemlich kleine 1,4-Liter-Benziner reichte für 200 km/h. Nicht nur, dass der elektrische Golf bei 140 km/h die Waffen streckt, in der Wetterau wäre vermutlich auch die Suche nach einer Ladesäule eine zeitraubende Angelegenheit gewesen.

Nun gut, ich bin aber in Berlin, und nach einer Rundfahrt von 33 Kilometer Länge – einer typischen Pendlerdistanz in Deutschland – wieder in Tempelhof. Dass ich mich mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit mit 22 km/h die deutsche Hauptstadt bewegt habe, ist nicht erstaunlich, der Durchschnittsverbrauch von nur 13,3 Kilowattstunden auf 100 Kilometer hingegen schon. Vom Energieinhalt entspricht das grob gerechnet 1,3 Liter Diesel, also einem Verbrauch von weniger als 4 l/100 km, und dies trotz der teilweise widrigen Verkehrsbedingungen. Hier macht sich die physikalische Effizienz des Elektroantriebs direkt bemerkbar.

Also doch: Ich brauche so ein Auto, als Zweitwagen für die Stadt. Also studiere ich die Preisliste. 34.900 Euro beträgt der Grundpreis, in der von mir gewünschten Ausstattungsvariante summiert sich der Preis auf 40.509 Euro. Ziemlich viel für einen Zweitwagen, den ich nur wenige Kilometer durch die Stadt bewege. Und eigentlich suche ich doch schon länger ein Porsche 911 Cabrio aus den achtziger Jahren. Wäre auch ein prima Wagen, um an sonnigen Tagen wie heute durch die Stadt zu fahren. Oder doch ein A3 Cabrio, das gibt es für das gleiche Geld, ganz ohne Reichweitenbeschränkung?

Entschuldigung, ich bin ein Mensch und Autoliebhaber dazu, ich glaube, ich bin nicht vernünftig genug für den e-Golf. Ein gutes Auto ist er trotzdem, mit Sicherheit sogar das beste (reine) Elektroauto, das ich bislang gefahren bin.