Tor in eine andere Welt: Internationale Bauausstellung im Hamburg

HAMBURG. Genau neun Minuten und 18 Sekunden dauert es vom Hauptbahnhof Hamburg nach Wilhelmsburg. Trotz der Zentrumsnähe ist der auf einer Elbinsel gelegene Stadtteil alles andere als eine bevorzugte Wohnlage. Viele Alteingesessene Hamburger waren noch nie dort, sie haben ihn allenfalls auf der mitten durch das Viertel führenden Autobahn durchquert.

Bunte neue Arbeitswelt in Hamburg-Wilhelmsburg

Bunte neue Arbeitswelt in Hamburg-Wilhelmsburg

Ausgerechnet auf dieses als sozialen Brennpunkt bekannte Quartier konzentriert sich die Internationale Bauausstellung Hamburg (IBA). Nach sieben Jahren intensiver stadtplanerischer Arbeit präsentiert die IBA nun erste Ergebnisse, unter anderem auf der Konferenz „Stadt Neu Bauen“, die ich gestern besuchte. Sie fand im „Tor zur Welt“ statt, einem Bildungszentrum inmitten des in Wilhelmsburg vorherrschenden sozialen Wohnungsbaus, das Teil der Bauausstellung ist. Es verweist auf die Zielsetzung des gesamten Projekts, das Olaf Scholz, Erster Bürgermeister Hamburgs mit den Worten „Aufwertung ohne Verdrängung“ beschreibt. So umfasst das Bildungszentrum verschiedene Schulformen einschließlich eines Gymnasiums, aber auch verschiedene Einrichtungen der Erwachsenenbildung, von der Elternschule bis hin zur Volkshochschule.

Dass sich die IBA-Macher ausgerechnet Wilhelmsburg ausgeguckt haben, ist kein Zufall. Hamburgs Einwohnerzahl wächst weiter, schon in wenigen Jahren soll die Zwei-Millionen-Grenze überschritten sein. Wohnraum ist rar und die ohnehin knappen Konversionsflächen in der Innenstadt sind erschöpft, sobald die „HafenCity“ nördlich der Elbe vollendet ist. Mehr als 3.000 neue Wohnungen sollen in den kommenden Jahren in Wilhelmsburg entstehen. Vorher wurde der Problem-Stadtteil durch die IBA erheblich aufgewertet, beispielsweise durch die Sanierung großer Wohnblöcke aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts.

Wie bei jeder IBA sind auch in Hamburg spektakuläre Neubauten entstanden. Beispielsweise ein Algenhaus, dessen Fassade zur Gewinnung von Biomasse genutzt wird. Auch wurden neue Baumaterialien erprobt, etwa mit dem „Soft House“ der MIT-Professorin Sheila Kennedy. Mit der internationalen Gartenbauausstellung, die dieses Jahr ebenfalls in Wilhelmsburg stattfindet, wird gleichzeitig ein großer Stadtpark geschaffen – ein weiterer Teil der Aufwertungsstrategie.

Die IBA könnte wegweisend für andere stark wachsende Städte sein, die vor den gleichen Problemen stehen. Denn der Druck auf die Innenstadt-nahen Wohnviertel nimmt durch den Trend zur Re-Urbanisierung überall zu, in der Folge stark steigende Mieten machen gewachsene Altbauviertel für Normalverdiener unbezahlbar. Wird die IBA also zum Trendsetter bei der Erschließung sogenannter „Metrozonen“?

Eine kritische Würdigung der Bauausstellung werde ich in der kommenden Ausgabe von Urban 2.0 veröffentlichen. Diese erste deutsche Fachzeitschrift für nachhaltige Stadtentwicklung betreue ich redaktionell derzeit komplett.

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