2013 – Was wird wichtig?

Ob ein technisches Produkt unsere Alltagswelt verändert, entscheiden nicht Erfinder oder Industrieunternehmen, sondern Kunden, die etwas unbedingt haben wollen und dafür bezahlen. Meist dauert es einige Zeit, bis über Erfolg oder Misserfolg entschieden ist. So kam die erste LED, deren Durchbruch in der Beleuchtungstechnik wir derzeit verfolgen, bereits 1962 auf den Markt.  Über so weite Zeiträume vermögen wir keine Prognosen abzugeben. Bei den folgenden Kandidaten sind wir uns jedoch sicher, dass sie uns im kommenden Jahr beschäftigen werden.

Wie er wohl wirklich aussieht? Foto des i3-Konzeptfahrzeugs aus dem Sommer 2012

Wie er wohl wirklich aussieht? Foto des i3-Konzeptfahrzeugs aus dem Sommer 2012

Das wichtigste Auto des Jahres 2013 ist schnell gefunden. Der Marktauftritt des i3 von BMW wird nicht nur in München, sondern auch in den Konzernzentralen der Wettbewerber mit Spannung erwartet. Revolutioniert dieses Fahrzeug den Automarkt wie das iPhone die Mobiltelefonbranche? Der Ansatz ist recht ähnlich: Sei radikal und beweise guten Geschmack, könnte das Motto des Entwicklungsteams lauten. Denn kein Hersteller hat bislang kohlefaserverstärkte Kunststoffe, vulgo Carbon, in ähnlich großen Stückzahlen verbaut. Kein anderes Großserienmodell ist so radikal um seinen Elektroantrieb herum gebaut. Hinzu kommt eine Vielzahl von Telematikfunktionen, die Handy und Auto nahtlos verbinden sollen. Die Analogie zum iPhone trägt auch beim Preis: Der i3 wird rund doppelt so teuer sein wie ein konventionelles Fahrzeug, ein Golf etwa, ohne nach objektiven Kriterien doppelt so gut zu sein – doch das Preis-Leistungsverhältnis ist beim Autokauf längst nicht mehr alles.

Bei der wichtigsten politischen Entscheidung, die 2013 vor der Bundestagswahl noch ansteht, geht es hingegen vor allem ums Geld. Im Frühjahr will die Bundesregierung die neue Kraftstoff- und Mobilitätsstrategie verabschieden. Mit ihr wird der Grundstein für die finanzielle Förderung alternativer Kraftstoffe gelegt. Besonders spannend ist dabei, inwieweit die Steuerbefreiung für Erdgas als Kraftstoff über das Jahr 2018 hinaus aufrechterhalten wird. Würde Erdgas nach seinem Energiegehalt ähnlich besteuert wie Benzin, hätten die meisten Erdgas-Fahrer keinen finanziellen Vorteil mehr. Darunter litte die Umwelt, denn die CO2-Emissionen von Erdgasfahrzeugen liegen beim heutigen Strommix in der Regel unter denen von Elektroautos.

Das wichtigste neue Kraftwerk wurde vom Automobilhersteller Audi beauftragt: Im Emsland geht die erste kommerzielle „Windgas“-Anlage in Betrieb. Dabei handelt es sich um ein Kraftwerk, in dem überschüssiger Strom aus Windkraftanlagen zunächst zur Wasserstofferzeugung verwendet wird. In einem zweiten Schritt wird der Wasserstoff dann methanisiert, also zu Erdgas verarbeitet. Im Prinzip handelt es sich bei beiden Verfahrensschritten um bewährte Technik, die aber aufgrund des schlechten Wirkungsgrades – im Erdgas bleiben nur rund 60 Prozent der Primärenergiemenge erhalten – bislang nicht kommerzialisiert wurde. Audi will den Käufern von Erdgasautos Zertifikate anbieten, die die CO2-Neutralität ihres Fahrzeugs beweisen. Abzuwarten bleibt, wie der Zuspruch der (Flotten-)Kunden ausfällt.

Die wichtigste Innovation in der Beleuchtungstechnik: Die großen Hersteller Osram und Philips wollen erstmals LED-Lampen in Form klassischer Glühlampen für weniger als zehn Euro anbieten. Zumindest 8-Watt-Lampen, die – mittlerweile nicht mehr verkaufte – 40-Watt-Glühlampe ersetzen, sollen unter diese magische Preisschwelle  sinken. Damit steht dem Verbraucher eine Alternative zur „Energiesparlampe“ zur Verfügung: Die neuen LED-„Birnen“ passen auf den klassischen E27-Sockel, entwickeln sofort die volle Leuchtkraft und senden reinweißes Licht aus. Farben erscheinen in diesem Licht so natürlich wie unter freiem Himmel. Wer etwas gelberes Licht bevorzugt, um den Höhlencharakter seiner Wohnung zu unterstreichen, kann auch „warmweiße“ Lampen bestellen. Auch hier ist der Verbraucher der Letztentscheider darüber, ob die Investitionen der Hersteller in die neue Technik sich auf Dauer rechnen.

Diese Themen – und viele andere technische Innovationen – wird das Redaktionsbüro delta eta im kommenden Jahr verfolgen. Über Erfolge und Rückschläge berichten wir nicht nur in diesem Blog, sondern vor allem in jenen Medien, denen wir zuarbeiten, unter anderem der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, den VDI nachrichten, der Automobilwoche und den Fachzeitschriften Energy 2.0 und Mobility 2.0. Einige neue Projekte werden uns beschäftigen: Ein populärwissenschaftliches Buch zum Thema Licht, eine neue Serie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, eine Kundenzeitschrift für einen deutschen Industrieverbrand. Wir freuen uns auf ein spannendes Jahr 2013!

Advertisements