Weniger Verbrauch, ja gerne – aber CO2 ist nicht so wichtig?

BENSBERG BEI KÖLN.  Deutschen Autofahrern ist der Verbrauch wichtiger denn je: 87 Prozent aller Befragten gaben in einer Umfrage der Unternehmensberatung Kienbaum an, dass der Verbrauch eines Fahrzeugs für sie das wichtigste Kriterium beim Kauf eines Neuwagens sei. Überraschenderweise sind aber nur 57 Prozent der Befragten der Meinung, dass die CO2-Emissionen ein wichtiges Kaufkriterium sind.  Daraus lassen sich zwei Schlüsse ziehen. Erstens weiß ein Drittel aller potenziellen Autokäufer nicht, dass Kohlendioxidemission und volumetrischer Verbrauch direkt proportional sind – eine erschreckend hohe Zahl angesichts der vielen Jahre öffentlicher Diskussion um CO2-Grenzwerte als Beitrag zum Klimaschutz. Der zweite Schluss: „Verbrauch“ bedeutet Geld, das man als Autofahrer bei jedem Tanken bezahlen muss, da ist weniger auf jeden Fall mehr. CO2-Emissionen zu vermeiden, das ist ethisches Handeln zum Wohl künftiger Generationen, aber lang nicht so unmittelbar zu spüren wie die stetig steigenden Kraftstoffpreise.

Für wirkungsvollen Klimaschutz lässt sich daraus eine dritte, die vielleicht wichtigste Conclusio ableiten: Gut zu handeln, dazu bekommt man Menschen am ehesten, wenn dieses Handeln finanziell belohnt wird. In der gleichen Umfrage gaben übrigens 89 Prozent aller Befragten an, dass sie für ein Kleidungsstück mehr bezahlen würden, wenn es umweltfreundlich hergestellt würde. Danach gefragt, wieviel sie bei einem Basispreis von 50 Euro für das Ökoprodukt mehr ausgeben würden, sagten mehr als 60 Prozent: Mindestens 25 Prozent. Auf das Auto dürften diese Relativwerte allerdings nicht zu übertragen sein, hier zählt der Absolutwert. Schon einige Tausend Euro Aufpreis, wie sie für ein Hybridfahrzeug mit wenigen Kilometern elektrischer Reichweite fällig werden, dürfte das Familienbudget der meisten Privatkunden sprengen.

Kaufentscheidend ist beim Auto der Verbrauch, sagt eine aktuelle Kienbaum-Umfrage.

Effektive CO2-Vermeidung setzt ohnehin nicht beim Auto an, wo jede eingesparte Tonne mit mehreren hundert Euro bezahlt werden muss. Viel effektiver sind beispielsweise Wärmedämmung oder Heizungsmodernisierung, meist mit – über die Lebensdauer gerechnet – negativen CO2-Vermeidungskosten (sprich die Anfangsinvestition amortisiert sich während der Nutzungszeit). Alternativ, das schlug Spiegel-Redakteur Alexander Neubacher während eines Abendessens mit den Kienbaum-Managern gestern vor, könne ja jeder auch für ein paar Euro CO2-Emissionszertifikate an der Leipziger Börse kaufen und vernichten. Innovativer Vorschlag, Herr Kollege. Wenn ich das nächste Mal mit 911er auf der Rennstrecke unterwegs bin, werde ich genau das tun – bei einem Tonnenpreis von sieben Euro kommt das deutlich billiger, als auf ein Elektroauto umzusteigen.

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