Organische Leuchtdioden: Zukunftstechnologie auf Bewährung

DRESDEN. Die Effizienz organischer Leuchtdioden (OLEDs) wird deutlich steigen und mehr als 100 Lumen pro Watt erreichen. Gleichzeitig sollen die Produktionskosten um mehrere Größenordnungen sinken. So zuversichtlich zeigt sich Professor Karl Leo, den ich gestern am neuen Fraunhofer COMEDD besuchte. An dem Institut arbeitet Leo mit seinem Team daran, erstmals eine Lichtquelle zu schaffen, die Licht nicht punktförmig, sondern gleichmäßig über eine große Fläche abstrahlt.

Die wahrscheinlich größte, aber auch teuerste OLED-Leuchte der Welt: Installation im Fraunhofer COMEDD-Institut

Organische Leuchtdioden nutzen dotierte, also gezielt mit Fremdatomen versehene Halbleiter auf Kohlenstoffbasis, um Licht zu erzeugen. Eines Tages, so die Vision, sollen sie in Fenster oder Einrichtungsgegenstände integriert, ein Licht erzeugen, das punktförmige Lichtquellen so ergänzt wie das Streulicht des Himmels die direkte Sonneneinstrahlung. Bis es soweit kommt, ist noch eine ganze Reihe von Herausforderungen zu bewältigen. Zu allererst müssen die Kosten gesenkt werden. Dazu nimmt Leo sowohl die verwendeten Materialien als auch das Herstellverfahren unter die Lupe. Beispielsweise kommt in den lichtemittierenden Schichten der OLEDs das extrem seltene Iridium zum Einsatz, für das nun Ersatz gesucht wird. Das Herstellverfahren für OLEDs basiert darauf, dass die extrem dünnen Schichten (teilweise 10 Nanometer), die für den Elektronentransport und die Lichtemission verantwortlich sind, unter Vakuumbedingungen nacheinander auf ein Trägersubstrat aufgedampft werden. Zukünftig, das kann Leo sich vorstellen, wird ein Druckverfahren ermöglichen, diese Schichten weitaus kostengünstiger aufzubringen.

Soweit die Fakten – doch was sollen wir davon halten?

OLEDs erzeugen ein wunderschönes Licht, ohne harte Schatten wie punktförmige Lichtquellen. Zudem sind erstmals transparente Lichtquellen möglich – durch welche Lampe kann man sonst hindurchschauen? Doch so faszinierend die Physik, OLEDs sind eine Hochrisiko-Technologie, so wie die LEDs im Jahr 1962, als die erste kommerzielle Leuchtdiode auf den Markt kam. Selbst in Handy- und TV-Displays, wo OLEDs heute bereits zum Einsatz kommen, sind LCD- und TFT-Technik noch lange nicht verdrängt. Sollten Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen jedoch gelingen und sich damit auch in der Allgemeinbeleuchtung ein Markt für OLEDs öffnen, dann ist Deutschland bestens gerüstet.

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