Gaslicht – ein Kulturgut?

London hat Doppeldecker-Busse und Berlin seine Gaslaternen. Diesen Vergleich zieht zumindest Bertold Kujat, der mit seinem Verein „Gaslicht-Kultur“ für den Erhalt der traditionellen (West-)Berliner Straßenbeleuchtung kämpft. Ich traf ihn heute unter einem fünfköpfigem, wunderschönen Kandelaber, der in Charlottenburg in direkter Blickachse zum Schloss steht.

Schöner kann man Licht nicht verpacken: fünfarmiger Kandelaber in Berlin-Charlottenburg

Tatsächlich stehen in Berlin heute noch rund 44.000 Gaslaternen, rund die Hälfte des gesamten weltweiten Bestandes. Dass diese anachronistische Straßen-beleuchtung nicht längt wie in der restlichen Welt gegen elektrische Leuchten ausgetauscht wurde, ist eine Folge des Kalten Krieges. Westberlin wollte sich nicht einseitig von Stromimporten abhängig machen. Nun allerdings ist es beschlossene Sache: Die Gaslaternen sollen gegen deutlich energieeffizientere elektrische Lampen getauscht werden, der Austausch läuft bereits. 550 Euro Kostenersparnis erhofft sich die Stadt, pro Lampe, und außerdem geringere CO2-Emissionen. Zahlen, die Kujat nicht grundsätzlich bestreitet, aber ins rechte Licht rücken will: In den nächsten 20 Jahren würde sich die Investition nicht amortisieren. Und an den CO2-Emissionen der Stadt hätten die Gaslaternen einen Anteil von nur zwei Tausendstel.

Soweit die Fakten, doch was sollen wir davon halten?

Keine Frage: Die Gasbeleuchtung, die im 19. Jahrhundert von England aus deutsche Städte eroberte, war ein gewaltiger Fortschritt, erstmals waren Energievorrat und Lichterzeugung zu trennen. Ebenfalls unzweifelhaft ist, dass historische Leuchten zumindest in historischen Ensembles erhalten werden müssen.  Ob die Lampen, also die eigentliche Lichtquelle, tatsächlich mit historischem Brennstoff versorgt werden müssen, sei dahingestellt. LED-Technik kann einfach mehr, bis hin zu stufenlos regelbaren Laternen, die nur noch aufleuchten, wenn sich tatsächlich ein Fußgänger nähert. Wie jede moderne Technik sollte sie allerdings nicht klammheimlich am Bürger vorbei eingeführt werden – das befeuert die Proteste in Berlin, die am kommenden Samstag in einer Menschenkette gipfeln werden.

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