Ein Elektroauto für den Alltag?

VAIHINGEN/ENS. Es muss doch etwas zu hören sein. Ein Ruck müsste durch dieses Auto gehen, einen umgebauten Audi A1. Schließlich fährt er elektrisch, weitgehend lautlos, bis das Notstromaggregat an Bord anspringt, ein Zweizylinder-Benzinmotor, nicht gerade eine Motorgattung, die für kultivierte Laufruhe steht.

Meine erste Ausfahrt mit den Range-Extender-Versuchsfahrzeug des Zulieferers Mahle auf einem Verkehrsübungsplatz einer schwäbischen Kleinstadt zerstreut alle Befürchtungen. Die Ingenieure des Zulieferers haben gute Arbeit geleistet, man merkt nämlich vom Anspringen des Verbrennungsmotors nichts. Sowohl die Drehmomententfaltung als auch die Akustik sind harmonisch. Man muss schon die Motorhaube öffnen, um den charakteristischen Klang des Zweizylinders wahrzunehmen.

Das Konzept, wenn es denn in Serie produziert würde, wäre das erste Elektroauto für den Alltag. Denn das Fahrzeug emittiert im europäischen Normzyklus mit ungefähr 42 Gramm pro Kilometer, weit weniger als der für 2020 geplante Flottendurchschnitt von 90 Gramm. Und der Reichweitenverlängerer sorgt dafür, dass die Fahrt erst nach ungefähr 500 Kilometern endet, wenn auch der Benzintank leergesaugt ist. Doch die Mehrkosten gegenüber einem heutigen Serienfahrzeug betragen trotz der auf 17 Kilowattstunden geschrumpften Batterie und des Einfachmotors mehrere Tausend Euro.

Soweit die Fakten, doch was ist davon zu halten? Eine beachtliche Ingenieurleistung stellt der Prototyp von Mahle auf jeden Fall dar, weit mehr, als man von einem Komponentenzulieferer erwarten darf, der vor einigen Jahren einen Rennsportstall (Cosworth) gekauft hat. Um den für die Gesetzgebung entscheidenden Flottenverbrauch nach unten zu bekommen, gibt es jedoch vor allem für die deutschen Premiumhersteller nur einen Weg: Die großen, benzindurstigen Oberklassefahrzeuge mit Dieselmotoren und Hybridantrieben auszurüsten, deren Batterien sich an der Steckdosen wieder aufladen lassen (sogenannten „Plug-in“-Konzepte). Diese Autos sind nicht so preissensibel wie Kompaktfahrzeuge – und am Ende nutzt die beste (Umwelt-)Technik nichts, wenn sie nicht gekauft wird.

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