Umerziehung zum Elektroauto? Ein Kommentar

Es war eigentlich eine harmlose Frage, die ich heute auf der Vorpressekonferenz zur Werkstattmesse „Automechanika“ stellte. Warum denn einer der Schwerpunkte auf die Elektromobilität gelegt werde, wo doch bislang kaum Elektroautos im Markt und daher auch nicht zu reparieren sein, wollte ich wissen. Robert Rademacher, Präsident des Zentralverbandes Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), und damit so etwas wie der oberste Automechaniker der Republik antwortete zunächst nachvollziehbar: Hochvoltkomponenten würden auch in allen Hybridfahrzeugen verbaut und damit sei die Technik durchaus marktrelevant. Dann aber warb er intensiv für die Elektromobilität. Die immer wieder zitierte Reichweite sei ja bei den durchschnittlichen Fahrleistungen kein Problem. „Wir müssen den Kunden umerziehen“, sagte Rademacher und schob gleich hinterher, dass auch wir Medien dabei unsere Rolle zu spielen hätten.

Nun ist eine Pressekonferenz kein Ort für Diskussionen, unerwidert soll die Forderung Rademachers, der sich unzweifelhaft in den Jahren seiner Präsidentschaft um seinen Berufsstand verdient gemacht hat, trotzdem nicht: Umerziehung, Herr Präsident, war noch nie eine gute Idee. Das Scheitern aller totalitären Systeme im 20. Jahrhundert lag nicht zuletzt daran, dass der Mensch sich auf Dauer gegen jede Umerziehung wehrt. Der Mensch ist, wie er ist, und das bedeutet eben auch: Er wird ein teureres Produkt nur akzeptieren, wenn es ihm einen Vorteil bringt. Das Elektroauto, so wie es heute ist, bringt dem Nutzer aber viele Nachteile und ist überdies teurer als ein Auto mit konventionellem Antrieb.

Auf der Automechanika findet man überdies jede Menge Produkte, die dem Umweltschutz dienen und gleichzeitig den Geldbeutel des Autofahrers schonen. So stellen viele große Zulieferer wie Bosch und ZF industriell aufbereitete Altteile aus. Bei der professionellen Reparatur defekter Bauteile wird im Vergleich zu einem Neuprodukt bis zu 90 Prozent des Energieeinsatzes gespart. Interessant ist auch das Autogas-Umrüstangebot der niederländischen Firma Prin, das anders als heute übliche Systeme die Serieneinspritzanlage nutzt. Mehr dazu kommenden Dienstag zum Messeauftakt in der F.A.Z., für die ich die Pressekonferenz besuchte. Übrigens eine Zeitung, die mit ihren freiheitlichen Grundwerten bei keiner Form der Umerziehung mittun würde – da bin ich mir, obgleich dort nur als freier Autor tätig, ganz sicher.

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