Mechanische Aufladung für Dieselmotoren?

Rastatt. Mit Tom Stover, dem Chief Technology Officer des US-Autozulieferers Eaton, diskutierte ich heute die Vor- und Nachteile der mechanischen Aufladung. Diese bereits in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts von Mercedes und Bugatti eingesetzte Technik hat in den letzten Jahren zunehmend Verbreitung gefunden. Ein mechanischer Lader ist direkt an die Motordrehzahl gekoppelt und schaufelt daher dem Motor sofort nach dem Gasgeben Luft zu. Das verzögerte Ansprechverhalten, das bei Turbomotoren aufwändig bekämpft werden muss, tritt bei dieser Form der Aufladung nicht auf.

Mechanischer Lader von Eaton

Während des Interviews, das ich für die Branchenzeitung Automobilwoche führte, überraschte Stover mich mit der Aussage, dass Eaton intensiv an mechanischen Ladern für Dieselmotoren arbeitet – und zwar sowohl für Pkw als auch für Nutzfahrzeuge. Bislang werden ausschließlich Benzinmotoren mechanisch aufgeladen.

Je höher die Leistungsdichte kleiner Motoren werde, so Stover, desto schwieriger sei es, den Übergang zwischen Teillast und Volllast komfortabel zu gestalten. Allerdings geht Eaton davon aus, dass der mechanische Lader bei Dieselmotoren den Turbolader ergänzt und nicht verdrängt. Zu einem möglichen Serieneinsatz-Termin wollte sich Stover nicht äußern.

Soweit die Fakten. Was ist davon zu halten?

Wer je ein Auto mit einem mechanischen Lader fuhr, wird sich für die Technik begeistern. Auch kleine Motoren, wie beispielsweise der alte 1,4-Liter-TFSI von Volkswagen, hängen am Gas wie sonst nur Motoren mit dem doppelten Hubraum. Auch sind die Verbrauchsnachteile mechanischer Lader in den letzten Jahren deutlich rückläufig. Dennoch hat die Technik gleich mehrere Konkurrenten: Zum einen kommen zunehmend Twin-Turbo-Konzepte zum Einsatz, bei denen ein kleiner, weniger träger Turbolader den für die volle Leistungsentfaltung zuständigen großen Lader unterstützt. Zum anderen werden immer mehr Fahrzeuge hybridisiert: der Verbrennungsmotor wird dann insbesondere bei Lastwechseln von einem Elektromotor unterstützt. Auch die Monopolstellung von Eaton als einziger Großserienlieferant könnte ein Argument gegen die mechanische Aufladung sein. Die Automobilindustrie macht sich ungern von einem einzelnen Zulieferer abhängig. Auf die erste Fahrt in einem Dieselkompressor freue ich mich trotzdem bereits.

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Energiewende: Endlich streiten sie wieder!

Der in den letzten Wochen neu entbrannte Streit um die Energiewende ist eine wichtige Voraussetzung für das Gelingen dieses gesellschaftlichen Mammutprojektes. Dies ist die zentrale These meines Beitrages in der aktuellen Ausgabe der „Berliner Republik“. So viel Verständnis ich für die Sehnsucht nach Harmonie habe, die sich derzeit vor allem im lauten Ruf nach einem Energieminister äußert, für so wichtig halte ich es, dass sich eine demokratische Gesellschaft der Lösung eines komplexen Problems im Diskurs nähert. Zumal vom Gelingen der Energiewende, die weit mehr als das Abschalten der Kernkraftwerke umfasst, der wirtschaftliche Wohlstand unseres Industrielandes abhängt. So gilt es, alternative Technologien viel stärker als bislang unter dem Aspekt der CO2-Vermeidungskosten zu betrachten.

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