Fliegende Autos: Traum oder Alptraum?

Das niederländische Unternehmen Pal-V meldet heute den erfolgreichen Jungfernflug eines fliegenden Autos. Der Zweisitzer „Pal-V“ (für: „Personal Air and Land Vehicle“) mit einem Gewicht von nur 680 Kilogramm fährt im Straßenbetrieb auf drei Rädern. Als Antrieb dient ein benzinbetriebener Flugmotor, für den das Unternehmen einen Verbrauch von 8,3 Litern auf 100 Kilometern angibt, weitere Daten fehlen derzeit. Fahrdynamisch ist der Pal-V spektakulär, da sich der Aufbau mit dem Vorderrad wie ein Motorrad in die Kurven legt, die Hinterachse samt Antriebsaggregat jedoch nicht. Mit dieser Konstruktion, die schon dem von der Universität Delft entwickelten „Carver“ zugrunde lag, lassen sich trotz hohen Aufbaus sehr enge Kurvenradien fahren.

Bevor das Fahrzeug abhebt, müssen ein Rotor auf dem Dach und einer im Heck ausgefahren beziehungsweise ausgefaltet werden. Sind Auf- und Vortrieb so gesichert, bedarf es nur noch einer Fläche von 200 mal 30 Metern, dann geht es in die Luft, bis hinauf auf 1,2 Kilometer. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt auch bei der Bewegung in der dritten Dimension 180 km/h, allerdings schrumpft die Reichweite um rund zwei Drittel.

Soweit die Fakten – doch was ist davon zu halten? Zu Recht nennt Pal-V in seiner Pressemitteilung das fliegende Auto einen Menschheitstraum. Doch er wird wohl einer bleiben, hoffentlich. Denn mit der Eroberung der dritten Dimension sinkt die Energieeffizienz dramatisch, wie auch die rudimentären Angaben der Niederländer erahnen lassen. Die Physik macht eben keine Geschenke. Hinzu kommt, dass der Traum, im Stau einfach den Rotor auszufahren, an der Gesetzgebung scheitert: Starten und Landen darf auch ein fliegendes Auto allein auf Flugplätzen, auch die dafür notwendigen Formalitäten werden dem Auto-Piloten nicht erspart. Wer also wirklich Geld hat (einen Anschaffungspreis nennt Pal-V übrigens noch nicht), parkt seinen Ferrari also wahrscheinlich auch künftig vor dem Zaun des „General Aviation“-Terminals, viel Zeit verliert er nicht. Die technische Intelligenz der Zukunft gehört ohnehin autonomen Verkehrssystemen, die Staus von vorne herein vermeiden, statt sie überfliegen zu wollen.

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2 Gedanken zu „Fliegende Autos: Traum oder Alptraum?

  1. Pingback: PAL-V One: The World’s First Flying Car? | FutureDude™

  2. Nehmen wir an, der Gesetzgeber würde das Abheben im Stau erlauben und alle würden mit so einem Gefährt herumfahren und bei verstopfter Straße tatsächlich alle gleichzeitig in die Luft starten wollen? Dann hätten wir einerseits nur das „shifting of the problem“ – das Gedrängel wäre dann in der Luft. Und andererseits ein handfestes Sicherheitsproblem. Gedanke verworfen.

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