Jedem zweiten Unternehmen ist der Energieverbrauch egal

Eine heute veröffentlichte Umfrage der Deutschen Energieagentur dena unter 250 Unternehmen zeigt, dass Energieeffizienz für viele Industrieunternehmen trotz der gestiegenen Energiepreise noch immer kein Thema ist. 44 Prozent der Befragten führen derzeit keine Energieeffizienzmaßnahmen durch und planen diese auch nicht. Weitere 14 Prozent planen zwar, Energiesparmaßnahmen zu ergreifen, sind aber noch nicht in der Umsetzung. Ein systematisches Energiemanagement haben sogar nur 19 Prozent aller Betriebe im Einsatz. Selbst unter den Unternehmen, bei denen die Energiekosten mehr als 400.000 Euro im Jahr ausmachen, ist nur jedes zweite bereit, den Energieverbrauch ebenso systematisch zu kontrollieren wie die Gesamtkosten.

In derselben Umfrage geben allerdings 86 Prozent der Unternehmen an, dass sie von einem steigenden Strompreis ausgehen. Jedes vierte Unternehmen rechnet gar mit einem stark steigenden Strompreis.

Der Energiekostenanteil an den Gesamtkosten schwankt in der deutschen Industrie stark. Einer 2010 publizierten Studie von Prognos zufolge liegt der Energiekostenanteil bei kleinen und mittleren Unternehmen im Mittel bei sechs Prozent der Gesamtkosten. Einzelne Unternehmen, insbesondere der Metallherstellung und –verarbeitung sowie der petrochemischen Industrie, sind besonders belastet, ihre Energiekosten machen bis zu 20 Prozent aller Kosten aus. Da es sich bei den Produkten dieser Unternehmen in der Regel um Rohstoffe und Halbzeuge für die verarbeitende Industrie handelt, treffen hohe Energiekosten die gesamte Industrie auf indirektem Wege stärker, als es die dena-Umfrage vermuten lässt.

So weit die Fakten – doch was steckt dahinter?

Man könnte meinen, Energie und insbesondere Strom seien immer noch nicht teuer genug. Denn ansonsten würde die Industrie dem Aufschrei von Verbandsvertretern endlich Taten folgen lassen und Energieverschwendung ebenso konsequent verfolgen wie überflüssige Materialverschwendung in der Produktion. Doch das aus Japan stammende Lean Manufacturing-Prinzip „Muda“ (deutsch: „Verschwende nicht!“) setzt sich allmählich durch. Immer mehr Unternehmen machen es wie BMW und gehen jeder Kilowattstunde auf den Grund. Sie werden sich in der nächsten Konjunkturkrise einen Wettbewerbsvorteil erarbeitet haben. Denn dann werden auch kleine Kostenblöcke auffallen. Und angesichts der Milliardenkosten, die durch den Umbau des Energiesystems anfallen, wird der Energiekostenanteil in jedem Fall steigen – es sei denn, man steuert rechtzeitig gegen.

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