Feierabend für Nerds

INGOLSTADT. Einen langen Tag in einem Audi-Workshop zur Smart Factory der Zukunft verbracht. Dann endlich das ersehnte Feierabend-Bier. Passend für uns, eingeschenkt von einem Robo-Barkeeper. Ein tolles Beispiel für die Mensch-Roboter-Kollaboration, von der alle reden…

Fehlt nur die Sprachausgabe: „Wohl bekomm’s!“

Die Menschen hinter den Motoren

FRANKFURT AM MAIN. Ist es möglich, Verbrennungsmotoren zu bauen, die noch sparsamer mit dem Kraftstoff umgehen und völlig frei von schädlichen Emissionen sind? Welche Rolle spielen Gasturbinen für die Energiewende? Wie fliegen wir in zwanzig Jahren? Und was tun Ingenieure heute schon dafür? Solche Fragen will unser neues Buch „MotorenMenschen“ beantworten, das wir gemeinsam mit dem Fotografen Rui Camilo für die Forschungsvereinigung Verbrennungskraftmaschinen (FVV) aus Anlass ihres 60-jährigen Bestehens gestaltet haben. Wir stellen dabei nicht einzelne Forschungsvorhaben dar, sondern porträtieren die Menschen, die an immer effizienteren Motoren und Turbinen arbeiten.

Titelseite MotorenMenschenIn 24 Porträts zeigen Topmanager aus der Industrie und selbstständige Spezialisten die Vielfalt der Herausforderungen auf dem Weg zu sauberen Motoren und Turbomaschinen auf. Hochschullehrer kommen genauso zu Wort wie ein engagierter Wissenschaftlicher Mitarbeiter. Die Perspektive auf die Menschen hinter moderner Forschung an Verbrennungskraftmaschinen ist dabei keine rein sachliche: Sie schildern auch die Persönlichkeit hinter dem Ingenieur, dessen Motivation und dessen private Interessen. So haben wir einen Professor an Bord, der in seiner Freizeit an alten Mopeds schraubt. Oder den Geschäftsführer eines Ingenieurdienstleisters, der einen Boxclub in Magdeburg fördert.

Den Rahmen für die Porträts bilden zwei ausführliche Interviews mit Georg Pachta-Reyhofen, dem Vorstandsvorsitzenden der FVV und Peter Gutzmer, CTO von Schaeffler, sowie kurze populärwissenschaftliche Kapitel, die einen Überblick über die Schwerpunkte aktueller Forschung an Verbrennungsmotoren und Turbomaschinen verschaffen.

Unser neues Buch „MotorenMenschen“ erscheint im VDMA-Verlag, kostet 39,90 EUR und ist ab sofort auf Deutsch und Englisch lieferbar.

Mobilität 4.1: Die Zukunft hat begonnen

FRANKFURT AM MAIN. In aller Munde, in allen Medien: Die Megatrends Automatisierung, Vernetzung und Elektrifizierung prägen die Mobilität von morgen – und immer öfter auch schon die Autos von heute. Volkswagen bringt in Kürze den eGolf mit neuem Batteriekonzept und deutlich höherer Reichweite, Opel stellt auf dem Pariser Autosalon den ebenfalls rein elektrischen Ampera-e vor. Auf der IAA Nutzfahrzeuge dominiert das Thema automatisierte Fahren. Auf der Schiene ist das längst Realität, wie etwa bei der fahrerlosen Linie 1 der Pariser Metro. Die technische Entwicklung ist weit gediehen, ein neues Mobilitätszeitalter wird greifbar. Und doch sind in der EU noch immer 94 Prozent des gesamten Verkehrs vom Erdöl abhängig.

AMPERE_titel_3-2016Auf dem Weg in die Mobilität von morgen müssen einige Fragen beantwortet werden. An welchen Batterie- und Ladetechnologien etwa arbeiten die Forscher und Entwickler? Wie weit sind die Ingenieure bei der Entwicklung hochautomatisierter Fahrzeuge wirklich gekommen? Wie lässt sich der gesetzliche Rahmen an die technischen Möglichkeiten anpassen? Und wie verändert sich die Welt der Mobilitätsdienstleistungen, welche Rolle spielt dabei die etablierte Automobilindustrie und welche Ideen bringen Unternehmen – und zwar nicht nur Start-ups – ein, die eigentlich als branchenfremd wahrgenommen werden? Die neue Ausgabe der AMPERE widmet sich genau diesen Fragen. Und das nicht nur als abstrakte Vision: Wenn etwa das Posthorn als Logo das Lenkrad eines Elektrofahrzeugs ziert, das innerhalb des Konzerns Deutsche Post DHL entwickelt und gebaut wurde, dann ist die Zukunft näher, als manche glauben. lp

Sommerlektüre für Nerds

TORUP STRAND. Roboter, die von italienischen Wissenschaftlern in die Schule geschickt werden, um dessen kognitive Fähigkeiten zu verbessern. Neuromorphe Chips, die mit analogen Schaltkreisen die Strukturen unseres Gehirns nachbilden und ein extrem günstiges Verhältnis zwischen Rechenleistung und Energieverbrauch haben. Diese und viele weitere Beispiele trägt der Wissenschaftsjournalist Ulrich Eberl in seinem neuen Buch „Smarte Maschinen“ zusammen, das zeigt, wie rapide der Fortschritt im vermutlich wichtigsten Techniksektor ist.

Smarte Maschinen_Buchansicht-VorderseiteDer Untertitel „Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert“ verspricht nicht zu viel. Anders nämlich als in vielen Werken, die eher auf technikphilosophischen Überlegungen beruhen, recherchiert Eberl zunächst die Fakten: Was können Roboter heute? (Ziemlich wenig, verglichen mit uns Menschen, wie man schon in der Einleitung vorgeführt bekommt.) Und was werden Maschinen morgen können? (Deutlich mehr, aber für eine den Menschen überflügelnde „Superintelligenz“ spricht wenig.) Dabei verpackt Eberl seine Beobachtungen, die auf Vor-Ort-Recherchen in den USA, in Japan und in Europa basieren, in eine anschauliche, dem Laien gerecht werdende Sprache. Eine fiktive Rahmenhandlung, die sich im Jahr 2050 vollzieht, verbindet die Kapitel miteinander.

Erst aus Anschauung und Wissen heraus entsteht Urteilskraft, schon deshalb lohnt die Lektüre dieses Buches. Darüber hinaus lässt Eberl seine Leser aber auch an seinen eigenen Gedanken und Bewertungen teilhaben. Dabei blendet er die Gefahren, die etwa durch die kriminelle Manipulation von Robotern ausgehen können, genauso wenig aus wie die Herausforderung für den Arbeitsmarkt, die die Übernahme einfacher Tätigkeiten durch Heerscharen billiger Maschinen bedeuten. Insgesamt, alles andere wäre bei Eberl nicht zu erwarten, sieht er aber optimistisch in die Zukunft. „Wenn wir es richtig machen, so werden uns intelligente Maschinen mehr nützen als schaden.“

Für mich ist Eberls „Smarte Maschinen“ das Buch, das Nerds in diesem Sommer mit an den Strand nehmen sollten. Ob auf dem iPad oder ganz klassisch auf Papier: Man lernt auf jeden Fall dazu. Jetzt erst einmal schöne Ferien!

Fahren oder doch lieber fahren lassen? Gedanken eines Abiturienten

FRANKFURT. Mein Ältester, im Mai 18 geworden, hat Abitur und Führerschein in der Tasche und ist damit für das Notwendigste im Leben gerüstet. Doch was denkt er über das automatisierte Fahren? Sein Kommentar:

Stolz sitze ich in meinem ersten eigenen Auto. Mit 100 Stundenkilometern rausche ich über die A66 bei Wiesbaden. Ich bin 18 Jahre alt, habe das Abitur in der Tasche und die Welt steht mir offen. Was gibt es da Großartigeres als ein Auto, mit dem man, wenn man möchte, auch bis nach China fahren könnte? Ich will gerade die Spur wechseln, da überholt mich ein anderer Pkw von rechts und zieht in einem Affentempo an mir vorbei. Puh, denke ich nur, das war knapp, und erwäge noch, ob es sich lohnt, dem Fahrer ein „Lern mal Autofahren!“ hinterherzurufen, als sich ein ganz anderer Gedanke zwischen meine Synapsen zwängt: Der Mensch, überlege ich, ist wohl der größte Risikofaktor im Straßenverkehr. Was wäre, wenn man diesen Faktor wie bei einer mathematischen Gleichung einfach rauskürzen könnte?

Ganz abwegig ist das nicht, schließlich sind die Nachrichten in letzter Zeit voll mit Schlagzeilen zum Thema „Automatisiertes Fahren“. Einerseits rührt Verkehrsminister Alexander Dobrindt kräftig die Werbetrommel für die selbstfahrenden Autos und pocht auf baldige Gesetzesreformen, andererseits schockieren Bilder von dem tödlichen Unfall mit einem Tesla-Autopilot in den USA. Automatisierung soll den Verkehr sicherer und umweltfreundlicher gestalten heißt es auf der einen, die Technik sei noch nicht ausgereift und ein unabwägbares Risiko auf der anderen Seite. Tesla-Chef Musk rechnet vor, dass es in den USA durchschnittlich mehr Verkehrstote pro gefahrener Strecke in herkömmlichen Pkw gäbe als in Tesla-Fahrzeugen. Wirklich vertrauenserweckend wirkt das nicht, zumal es sich bei dem „Unfall-Autopiloten“ um eine Beta-Version gehandelt haben soll. Die Straße als Versuchsfeld? Das kann kein geeigneter Ort sein. Auch in Deutschland erprobt Dobrindt das automatisierte Fahren in seinem Vorzeigeprojekt „Digitales Testfeld Autobahn“. Hier läuft das Ganze aber immerhin unter kontrollierten Bedingungen ab. Die Technik wird also noch ausgetüftelt und getestet. Kann ich als Autofahrer jetzt schon mein Leben einer Maschine anvertrauen? Und wer ist eigentlich Schuld, wenn doch mal etwas passiert?

Fragen über Fragen, die dringend geklärt werden müssen bevor die Gleichung gelöst werden kann. Dobrindt geht optimistisch davon aus, dass schon in fünf Jahren serienmäßig hochautomatisierte Fahrzeuge verkauft werden. Wenn das stimmen sollte, ist bis dahin noch einiges zu tun. Am rechtlichen Rahmen muss gefeilt werden, die Technik muss ausreifen und die Menschen an den Fortschritt gewöhnt werden. Das alles wird vermutlich länger als fünf Jahre dauern – und das ist gut so! Denn der einfachste Weg, das automatisierte Fahren Realität werden zu lassen, ist es, die unterstützenden Systeme im Auto Stück für Stück auszuweiten und zu verbessern. Solange bleibt der Fahrer noch der Herr über sein Fahrzeug und trägt die volle Verantwortung.

Langfristig kommt das automatisierte Fahren sicher, wenn dadurch die Unfallgefahr tatsächlich verhindert werden kann. Und vielleicht beginnt ein Text meines sechsjährigen Bruders in einigen Jahren dann mit folgenden Worten: „Stolz sitze ich in meinem ersten eigenen Auto. Mit 100 Stundenkilometern lasse ich mich über die A66 bei Wiesbaden rauschen…“ Carl J. Winterhagen

Er dieselt weiter…

FRANKFURT AM MAIN/WIEN. Mit „Offensive gegen Schadstoffe“ haben die VDI nachrichten in der heutigen Ausgabe meinen Nachbericht zum diesjährigen Internationalen Wiener Motorensymposium überschrieben. Auch wenn der Titel nicht von mir ist, er trifft es gut. Denn auf dem Treffen von mehr als 1.000 Motorexperten wurde klar: Totgesagte leben länger, daran ändert die polemische Diskussion in manchen Medien nichts. Denn technisch ist es möglich, einen modernen Dieselmotor so auszulegen, dass er unter allen Betriebszuständen und nicht nur auf dem Prüfstand strenge Grenzwerte einhält. Mit neuen Vier-, Sechs- und Achtzylinder-Dieselmotoren zeigten in Wien ausgerechnet die viel gescholtenen deutschen Hersteller, wie Klimaschutz und lokaler Immissionsschutz zu vereinen sind: Mit verbrauchsarmen Dieselmotoren, die über neue Brennverfahren, eine zweistufige Abgasrückführung und eine aufwändige Abgasreinigung verfügen. Den vollständigen Beitrag finden Sie hier. Und am Dienstag geht’s in der F.A.Z. mit dem Aufmacher in Technik und Motor weiter.

300 Millionen – Was damit tun?

CoFAT 2016FÜRSTENFELDBRUCK. Die Bundesregierung hat letzte Woche ein Investitionsprogramm angekündigt, das der Elektromobilität in Deutschland zum Durchbruch verhelfen soll. Neben den Kaufprämien für Elektrofahrzeuge sieht es 300 Millionen Euro für den Ausbau der Lade-Infrastruktur vor. Wie das Geld verwendet werden sollte, diskutierte ich gestern im Rahmen eines Panels auf der CoFAT (Conference on Future Automotive Technologies) – eine der wenigen Veranstaltung zum Thema Elektromobilität, die aufgrund ihrer starken technischen Ausrichtung nicht nur Meinung, sondern auch Wissen vermittelt.CoFAT 2016

Einig waren sich alle Teilnehmer, dass der Betrieb von Ladesäulen derzeit kein attraktives Geschäftsmodell darstellt. Norbert Schürmann, Vorstand des zum RWE-Konzern gehörenden Energieversorgers Lechwerke, berichtete, dass derzeit pro Ladepunkt täglich nur 0,5 Ladevorgänge verzeichnet würden. Beim Ausbau der Lade-Infrastuktur solle man intensiv mit Unternehmen zusammenarbeiten, die heute schon Parkraum bewirtschaften. Allerdings seien größere Mengen Elektroautos nicht an das heutige Verteilnetz anzuschließen, wenn dieses nicht ertüchtigt würde. Die Investitionen über den Stromverkauf wieder hereinzuholen, sei eine Illusion, meinte Ex-Eon-Manager Klaus-Dieter Maubach, heute Vorstand der Capital Stage AG. Man solle vielmehr über eine Flatrate nachdenken und von vorne herein davon ausgehen, dass eine solche Infrastruktur sich genauso wenig rechne wie die „gelben Telefonhäuschen“, mit denen einst die flächendeckende Telekommunikation sichergestellt wurde. Noch einen Schritt weiter ging Thomas Hamacher, Professor für Erneuerbare und Nachhaltige Energiesysteme an der Technischen Universität München. Seiner Meinung nach berücksichtige die derzeitige Planung für die Lade-Infrastruktur nicht, dass sich das Mobilitätsverhalten künftig erheblich verändern werde. Wenn die Menschen sich eines Tages in autonomen Taxis durch Metropolen bewegten, verliere die überall verfügbare Lade-Infrastruktur an Bedeutung. Viel pragmatischer sah es Kim Wlach, die für das Start-up Eluminocity tätig ist: Da das Elektroauto vorrangig für das Pendeln zwischen Peripherie und Innenstadt diene, solle das Gleichstromladen beim Ausbau der Infrastruktur mindestens den gleichen Stellenwert haben wie die Schnellladesystem an Autobahnen. Der Bundesfinanzminister sieht das anders: 200 der 300 Millionen, so der aktuelle Planungstand, sollen für den Aufbau von rund 5.000 Gleichstrom-Schnellladepunkten genutzt werden. win (Fotos: Bayern innovativ/Matthias Merz)